Mondlandung

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Eichstätter Jugendliche haben mit ihren Hörspiel-Parodien im Netz riesigen Erfolg – die Idee dazu hatte der 19-jährige Schüler Valentin Nowak

Welche Geräusche gibt es eigentlich auf dem Mond? Und wie klingt eine menschliche Stimme unter einem luftdichten, gläsernen Astronautenhelm? „Ich hätte ein Goldfischglas zuhause gehabt“, wirft Katrin Schneider ein und alle lachen. Seit fünf Jahren schon treffen sich neun Eichstätter Jugendliche regelmäßig beim 19-jährigen Schüler Valentin Nowak im Keller und sind nicht nur bei speziellen akustischen Fragen extrem kreativ. Sie nehmen selbst geschriebene Hörspiele auf, stellen sie ins Internet und haben damit riesigen Erfolg. Auf mehr als 600 000 Downloads haben es die bayerischen Hobby-Sprecher bis heute bereits gebracht. Eine alte, ausrangierte Matratze steht vor einem Bücherregal, die Tischtennisplatte ist hochgeklappt und mit roten Handtüchern verhängt. Vor dem Mikro stehen Valentin und Dominik, sie sprechen die amerikanischen Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin. „Das wird eine neue Version der Mondlandung“, erklärt Valentin. Er hat die Geschichte in nur einer Nacht geschrieben. „Warum war eigentlich Armstrong der erste Mann auf dem Mond“, hat er sich dabei gefragt. „Haben die anderen ihn freiwillig vorgelassen?“ In Valentin Nowaks Mondlandung undenkbar, da einfach zu langweilig. „Wir wollen lachen machen“ ist schließlich das Motto der Eichstätter Crew. Also wird vor dem Mikro gestritten, gemobbt und integriert.

Die größten Erfolge feierten die Eichstätter Jugendlichen bislang mit ihren Parodien auf die Detektiv-Reihe Die drei ???. Bei seiner Oma hatte sich Valentin Nowak infiziert. In deren Schrank fand der damals Achtjährige die Schallplatte Der grüne Geist. Seitdem lassen Valentin Nowak die Abenteuer der drei Detektive nicht mehr los. Heute haben der Schüler und seine Freunde selbst eine eingefleischte Fangemeinde, die die lustigen Die drei ???-Versionen aus dem Netz kostenlos herunterlanden kann. Regelmäßig tauchten Valentins Geschich

ten schon ganz vorne in den Beliebtheitslisten von iTunes und Co. auf. Allein das Hörspiel Schatten unter Hollywood hatte innerhalb von nur drei Monaten mehr als 150 000 Downloads. Nach einer Panne bei einer Gemäldeauktion verfolgt in der Geschichte ein TV-Team die Detektive auf Schritt und Tritt bei der Suche nach einem Mayaschatz – und wird Zeuge jeder Menge Missgeschicke von Justus Jonas, noch dicker als im Original, Peter Shaw, noch ängstlicher, und Bob Andrews, noch schusseliger. „Da sind einerseits komische Sachen drin, die ich selbst erlebe. Aber auch in den Originalgeschichten gibt es vieles, über das ich mich totlachen kann“, erzählt Valentin Nowak. „Manchmal denkt man sich, wenn Justus jetzt noch das gesagt hätte, wär’s noch lustiger. Und dann sagt er es eben einfach in unserem eigenen Hörspiel.“ Die Idee zum ersten Hörspiel hatte Nowak vor fünf Jahren im Erdkundeunterricht. „Ein Mitschüler wurde ausgefragt und mir war ein bisschen langweilig“, erzählt er. „Da habe ich einfach drauf los geschrieben.“ Herausgekommen ist das Ein-Seiten-Hörspiel mit dem Titel WM-Fieber. Noch am selben Abend hat Valentin Nowak die Geschichte mit einem Stimmverzerrer aufgenommen und auf die eigene Homepage gestellt. „Zwischen 30 und 50 Leute haben sich das damals angehört“, sagter. „Aber dieser erste Versuch war auch noch alles andere als professionell.“

Damenstrümpfe mussten als Ploppschutz herhalten

Heute sind Nowaks Comedy-Hörspiele viel länger als die Originale – und erstaunlich professionell. Mit zwei Handmikros für 6,50 Euro haben die Freunde begonnen, sich aus Damenstrümpfen einen „Ploppschutz“ gebastelt, damit man die Atemgeräusche der jungen Sprecher nicht so stark hört. „Geträumt haben aber wir natürlich immer von einem echten Studiomikro, das kostet allerdings mehr als 200 Euro“, sagt Nowak.

An Ideenlosigkeit leidet der 19-Jährige jedoch nicht. Mit seiner Pfadfinder-Gruppe hat er nach dem Open-Air-Konzert beim Eichstätter Stadtfest den Müll eingesammelt, sich so das Geld für das Profi-Mikrofon verdient. Und auch wenn der Hörspiel-Keller mit seiner ausrangierten Matratze und den mit Handtüchern verhängten Oberlichtern ein wenig improvisiert und chaotisch wirkt – für professionelles Dämmmaterial fehlt einfach das Geld – „funktioniert es jetzt richtig gut“, erklärt Valentin Nowak. Der Kosmos-Verlag und Europa übrigens dulden Fanhörspiele – „immerhin ist das auch kostenlose Werbung für die Original-Reihe“, erklärt Valentin Nowak. Aber Geld darf die Gruppe damit nicht verdienen. Doch genau das ist jetzt der Plan: Ein Album mit eigenen Comedy-Nummern, losgelöst von Die drei ???, soll nun entstehen. Die Mondlandung ist die erste Geschichte, die die Jugendlichen dafür aufnehmen. „Mach mal eine coole Stimme“, sagt Nowak gerade zu seiner 16-jährigen Schwester Valérie, die eine Reporterin spielt. Denn er fungiert auch als Regisseur. Wenn alles nach Plan läuft, will man die turbulente Raumfahrt am Heiligen Abend ins Internet stellen – kostenlos, als Weihnachtsgeschenk für die Fans. Auf hörspielkeller.de kann sich jeder, der will, die Hörspiele herunter laden. Das komplette Album soll möglichst im Frühjahr erscheinen – den Download gibt’s dann für eine Gebühr. Reich werden können die jungen Eichstätter damit nicht, das wissen sie selbst. Aber im nächsten Jahr macht Nowak sein Abitur und schon jetzt steht für ihn fest: „Wenn alles gut geht, will ich Medientechnik studieren.“  

 

Von Angelika Kahl

Quelle: Bayerische Staatszeitung, 09.12.2011. 

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